Technologie 

Sicherheit auf dem Radar

Ab Ende 2015 müssen neu zugelassene Lkw und Busse europaweit mit einer automatischen Notbremsfunktion ausgestattet sein. MAN bietet bereits heute solche Fahrerassistenzsysteme an.

MAN Lkw

Zugegeben, so würde Eberhard Hipp, der ehemalige Leiter der Fahrzeugforschung von MAN Truck & Bus, im öffentlichen Straßenverkehr nie fahren. Doch auf dem Testgelände weiß er um die zuverlässige Wirkung seiner Demonstration: Nachdem er den Versuchs-Lkw gestartet und auf fast 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt hat, lehnt er sich bequem zurück, obwohl sein Lkw auf einen stehenden Pkw zufährt.

Unbeeindruckt braust der Lkw auf das Hindernis zu, dann geht es plötzlich schnell: Ein lauter Warnton, Warnleuchten am Armaturenbrett und leichtes Verzögern – doch um den Aufprall zu vermeiden, ist das zu wenig. Während Hipp noch vielsagend nickt, setzt der Lkw zu einer brachialen Notbremsung an. Drei Pkw-Längen vor dem Hindernis kommt er schließlich zum Stehen. “Das geht von ganz allein”, ruft der Entwicklungschef in den Sekunden vor dem Halt: Das Bremspedal wurde zu keinem Zeitpunkt betätigt, das Fahrerassistenzsystem hat eingegriffen.

Eberhard Hipp
Eberhard Hipp, ehemaliger Leiter der Fahrzeugforschung von MAN Truck & Bus

Automatischer Notbremsassistent heißt dieses System. MAN forscht gegenwärtig daran und wird es zur Serienreife entwickeln. Mit einem Team von 110 Mitarbeitern und sechs Doktoranden beschäftigt sich Hipp auch mit den Forschungsthemen Kraftstoffverbrauch und CO2, alternative Kraftstoffe, vorausschauendes Fahren und Vernetzung von Fahrzeugen untereinander. Über 35 Jahre war Hipp bei MAN Truck & Bus beschäftigt. Äußerlich ist ihm die lange Zeit nicht anzumerken: Seine wachen Augen funkeln, wenn er von neuen Forschungsergebnissen berichtet, die Arme schwingen in der Luft, wenn er ein technisches Prinzip bis ins Detail erklärt. Eberhard Hipp wird von vielen als Experte geschätzt. Im Jahr 2012 erhielt er den „Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge“.

Assistenzsystem EBA erfüllt schon jetzt EU-Vorgaben

Während das von Hipp vorgeführte, erweiterte Notbremssystem noch in der Entwicklung ist, bietet MAN seinen Kunden heute bereits einen radarbasierten Notbremsassistenten an. Alle Baureihen, vom leichtesten bis zum schwersten Lkw, und alle Reisebusse können mit dem Emergency Brake Assist (EBA) ausgestattet werden. MAN erfüllt damit bereits heute die EU-Vorgabe, die ab November 2015 für alle neu zugelassenen Lkw eine automatische Notbremsfunktion vorschreibt.

EBA kann vorausfahrende Fahrzeuge und stehende Hindernisse wie ein Stauende oder ein Unfallfahrzeug erkennen und automatisch bremsen. Ziel des Assistenten ist es, schwere Auffahrunfälle in solchen Situationen zu verhindern oder abzumildern. Das Erkennen stehender Hindernisse ist wesentlich schwieriger als das Erkennen vorausfahrender Fahrzeuge, das bereits durch den Abstandsregeltempomaten (Adaptive Cruise Control) von MAN geleistet wird. Warum ist das so? Die Festlegung der Kriterien ist schwer. Ein Notbremssystem muss absolut sicher arbeiten: Kleinigkeiten dürfen keine Notbremsungen provozieren, sonst würde der Lkw selbst zur Gefahrenquelle. EBA erfasst daher mit einem Radarsensor an der Fahrzeugfront unterhalb des Nummernschildes vorausfahrende oder stehende Objekte auf der eigenen Fahrspur. Wenn ein Fahrer bei einem vorausliegenden Objekt nicht bremst oder die Spur wechselt, reagiert das EBA mit abgestuften Warnmaßnahmen: Erst gibt es einen durchdringenden Warnton ab und das Display blinkt, die Bremsen werden vorbefüllt und die Bremslichter zur frühzeitigen Warnung des rückwärtigen Verkehrs aktiviert. Bleibt dann immer noch eine Reaktion des Fahrers aus, bremst EBA automatisch ab.

Bei der Weiterentwicklung, die gerade in der Versuchsphase ist, kombiniert Hipp zur noch besseren Erfassung von Hindernissen den Radarsensor mit einem Kamerasystem. Mit diesen Daten ist die Steuerelektronik in der Lage, frühzeitig ein präzises Abbild der Umgebung zu erzeugen und mithilfe entsprechender Algorithmen Gefahrenquellen aufzuspüren – bewegte und stillstehende. So kann die Bremsung noch früher erfolgen.

Unfallursachen
Unfallvermeidung: Das Abkommen von der Fahrbahn ist die häufigste Unfallursache bei Lkw (39 %), dicht gefolgt von Auffahrunfällen (33 %). Kollisionen mit Fußgängern bilden mit zwei Prozent das Schlusslicht der Unfallstatistik. Quelle: Statistisches Bundesamt, Betrachtungsperiode: 2010/2011

Die Kombination aus verschiedenen Fahrerassistenzsystemen macht das Fahren sicherer

EBA ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu noch mehr Verkehrssicherheit, wenngleich Hipp klarstellt: “Es ist die Kombination unterschiedlichster Assistenzsysteme, durch die das Fahren sicherer wird.” Auch hier hat MAN heute schon im Angebot, was Verkehrspolitiker in ihren Nutzfahrzeugzulassungsrichtlinien für Ende 2015 fordern: zum Beispiel das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das automatisch in das Motormanagement und Bremssystem eingreift, wenn der Lkw zu kippen oder schleudern droht, oder die Fahrspurüberwachung Lane Guard System (LGS). Sie warnt den Fahrer durch einen Signalton, wenn er seine Spur ohne Betätigung des Blinkers verlässt. Noch weiter geht die Entwicklung einer kontinuierlichen Quer- und Längsführung, die aktiv in die Lenkung eingreift und die Spur hält. In der Übersicht unten stellen wir Ihnen diese und weitere Fahrerassistenzsysteme von MAN vor.

Der Fahrer bleibt im Mittelpunkt

Bei aller Technik trägt der Fahrer auch weiterhin die Verantwortung. Das ist wichtig für Hipp: „Der Fahrer muss immer in der Lage sein, in Notfallsituationen mit seiner Erfahrung und Einschätzung einzugreifen.“ Denn befindet er sich in einer schwierigen Situation kurz vor einem Unfall, dann muss er sich konzentrieren, nichts darf ihn ablenken. „Wenn ein Notbremssystem aktiv ist, dann schalten sich in unseren Lkw alle Informationsquellen ab. Der Fahrer bekommt nur noch die Informationen, die er im Augenblick benötigt, um den Unfall zu verhindern,“ versichert Hipp.

Das assistierte und sichere Fahren hat bei MAN eine große Zukunft. Denn die Ergebnisse und Erkenntnisse aus vielen weiteren Projekten und Forschungsserien werden wiederum in weiterentwickelte Assistenzsysteme von MAN einfließen.

Mit Sicherheit effizienter fahren

Sicherheitssysteme von MAN

Die MAN-Entwickler konzentrieren sich seit Langem auf das assistierte, sicherere Fahren. Zahlreiche Assistenzsysteme wurden bis heute entwickelt.

MAN TGL

MAN BrakeMatic®

Für ein souveränes Bremsverhalten sorgt die intelligente MAN BrakeMatic® mit dem elektronischen Bremssystem EBS, Antiblockiersystem ABS und leistungsstarken Scheibenbremsen.

Mehr Informationen über MAN BrakeMatic®
EBA Notbremsassistent

EBA Notbremsassistent

Der Notbremsassistent warnt den Fahrer vor einer drohenden Kollision mit vorausfahrenden oder stehenden Fahrzeugen und leitet im Notfall selbsttätig eine Bremsung ein. Der Notbremsassistent hilft, schwere Auffahrunfälle zu vermeiden oder abzumildern.

Mehr Informationen über EBA
Abstandsgeregelter Tempomat (ACC)

Abstandsgeregelter Tempomat (ACC)

Der Abstand zum Vordermann wird häufig falsch eingeschätzt. Die Adaptive Cruise Control (ACC) passt — entsprechend der Voreinstellungen — den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug automatisch an und reduziert so erheblich die Gefahr von Auffahrunfällen.

Mehr Informationen über Adaptive Cruise Control (ACC)
MAN TGX EfficientLine

Aktive Wankstabilisierung (CDC)

Die Wankstabilisierung CDC (Continuous Damping Control) berechnet die jeweils erforderliche Kraft der Stoßdämpfer und passt diese an die Belastung des Fahrzeugs (bremsen, beschleunigen, Kurven- und Bergfahrten) und an die Beschaffenheit der Straße an. Die Wankstabilisierung verbessert die Fahrsicherheit insbesondere bei Lkw mit hohem Schwerpunkt.

Mehr Informationen über Continous Damping Control (CDC)
MAN TGS

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)

Das System überwacht ständig den fahrdynamischen Zustand des Fahrzeugs und greift dann automatisch in das Motormanagement und Bremssystem ein, wenn der Lkw zu kippen oder zu schleudern droht. Mittlerweile gehört ESP bei fast allen Fahrzeugen von MAN zur Serienausstattung.

Mehr Informationen über das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP)
MAN TGX

Reifendruck-Kontrollsystem

Das Reifendruck-Kontrollsystem macht den häufig auftretenden, schleichenden Druckverlust in den Reifen sichtbar, bevor Schäden entstehen. Die kontinuierliche Drucküberwachung hilft dabei etwa 99 Prozent aller Reifenschäden zu vermeiden.

Spurassistent (LGS)

Spurassistent (LGS)

Das Lane Guard System (LGS) ist ein kamerabasiertes Fahrerassistenzsystem, das den Fahrer auf ein unbeabsichtigtes Überfahren der Fahrbahnmarkierung hinweist und somit aufmerksam macht, die Fahrspur zu korrigieren.

Mehr Informationen über das Lane guard system (LGS)
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Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme von MAN

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Die Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme von MAN denken bei jedem Meter mit. Von der Reifendruckkontrolle bis zum Notbremsassistenten: Wenn's drauf ankommt sind sie zur Stelle. Immer.

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MAN Fahrerassistenzsysteme

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