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Härtetest in der Kältekammer

Schnee, Eis, minus 35 Grad – perfekte Bedingungen für eine Probefahrt, denn Lkw und Busse müssen auch unter extremen Bedingungen einwandfrei funktionieren. In Schweden machen MAN-Trucks und die MAN- und NEOPLAN-Busse gemeinsam den Härtetest. Ein Tag auf der Teststrecke.

MAN Truck, Test

Vollbremsung auf purem Eis

Es ist Mittag, 26 Grad unter Null, die Sonne lässt die Schneekristalle funkeln, die Stimmung in Arjeplog ist prächtig. Bei maximal vier Stunden Tageslicht hellen sich die Mienen mit jedem Sonnenstrahl mehr auf. Ob es daran liegt, dass der Test des Notbremssystems so reibungslos funktioniert? Es wird ab 2015 gesetzliche Pflicht für Lkw- und Bus-Neuzulassungen sein.

Das Testprogramm fahren Lkw- und Bus-Kollegen gemeinsam und gleichen die Ergebnisse ab. Konzentriert verfolgt Versuchsingenieur Andreas Witzgall, wie ein Schaumstoffdummy in Pkw-Heckgröße mit Geschwindigkeiten zwischen 40 und 80 Stundenkilometern geradeaus über den zugefrorenen See gezogen wird. Weil der nachfahrende Bus etwa 20 bis 30 Stundenkilometer schneller ist, greift irgendwann das Advanced Emergency Brake System (AEBS) ein, die elektronische Vollbremsung. „Wir arbeiten an der totalen Kollisionsvermeidung“, erklärt Witzgall.

MAN Truck im Wintertest
In Schweden werden MAN-Lkw aller Baureihen erprobt. Hier wird geprüft, ob die Tarnung richtig sitzt.

Täglich bis zu 1.200 Kilometer hinter dem Steuer

Die MAN-Crew prüft die Fahrzeuge aber nicht nur vor Ort, sondern bereits während der Anfahrt. Fast 3 000 Kilometer Teststrecke liegen bereits hinter den Truckfahrern bevor sie Arjeplog erreichen. Für die Buskollegen startet das Programm ab der Fährenanlegestelle Göteborg, 1 500 Kilometer bis zum Ziel.

Die Liste der Erprobungen im Freien und in speziellen Indoor-Kältekammern ist lang. Deshalb werden nicht einzelne Komponenten erprobt, sondern es wird multifunktional getestet. Aufwärmverhalten, Abgasnachbehandlung, Spurwechsel, Kreisfahrten, Bremsen – oder die Dauererprobung. Bei dieser legen die Fahrer im Zweischichtbetrieb über vier Monate täglich bis zu 1 200 Kilometer zurück.

Am Ende eines jeden Wintertests fiebert die gesamte Truppe dem Tag entgegen, an dem der Entwicklungsvorstand von MAN Truck & Bus, Bernd Maierhofer, und seine Vorstandskollegen anreisen, um sich persönlich davon zu überzeugen, dass die Fahrzeuge ausnahmslos fit für die Straße sind. Darauf arbeiten alle hin: „Die Wintertests tragen wesentlich dazu bei, dass wir robuste und zuverlässige Fahrzeuge an unsere Kunden ausliefern können“, weiß Jörg Junginger, Leiter der Bus-Fahrversuche. Und Lkw-Kollege Rainer Miksch bestätigt: „Die Erprobungen unter Extrembedingungen sind unerlässliche Praxistests für die spätere Zufriedenheit unserer Kunden.“

Sieben Uhr morgens. Das Thermometer zeigt minus 35 Grad. Dick vermummt ist die Testcrew resistent gegen die Kälte, nicht aber die Steuerventile der Tür des Reisebusses. Sie sind eingefroren. Ist das straffe Testprogramm in Gefahr? Aber nein. Routiniert und unaufgeregt aktivieren die MAN-Mitarbeiter die Notverriegelung, sichern die Tür provisorisch mit Spanngurten. Los geht’s! Der Mann, der sich hinters Steuer klemmt, weiß, was ihn erwartet. Seine Reaktion ist trocken wie die Kälte: „Solche Herausforderungen sind der Grund, weshalb wir hier sind“, sagt Versuchsingenieur Sebastian Römer, 31, und er weiß: „Bei diesen Extremtests erfahren wir, wie sich die Busse im Alltag bei unseren Kunden bewähren.“ Die Wintertests finden statt, damit Kunden später ein ausgereiftes Produkt bekommen, das auch unter extremen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Denn in der Erprobung können mögliche Schwierigkeiten schnell gelöst werden.

Lkw und Busse im „Schwedentest“

Dumpfer Motorensound durchbricht die eisige Stille. Auch die Lkw-Kollegen sind bereits mitten im Testlauf. Langsam schiebt sich der schwere Sattelzug in die Kreisbahn. Auf blankem Eis nimmt er Fahrt auf, beschleunigt auf 30, 40, 50 Sachen. Mit ruhiger Hand bewegt der Mann hinterm Steuer den 40-Tonner im „Brummikreisel“, bildet gemeinsam mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) eine perfekte Einheit. Ausbruchsversuche werden durch sanftes Gegenlenken abgewehrt – bis bei 80 Stundenkilometern die physikalischen Gesetze greifen: Der Auflieger stellt sich quer. Zufrieden entsteigt Versuchsfahrer Michael Ostermayer seiner Fahrerkabine; das ESP hat wie erwartet tadellos funktioniert.

Rund 250 Ingenieure, Fahrer und Mechaniker schickt MAN jedes Jahr zu den Wintererprobungen, 70 davon sind während der gesamten vier Monate vor Ort, darunter auch Römer und Ostermayer. Beide gehören seit Jahren zum Team und sind mit den Teststrecken vertraut. Keiner kennt das Gelände so gut wie Michael Ostermayer, der einer der ersten war, die MAN-Trucks und -Busse für die Testfahrten nach Lappland brachten. Zwischen Dezember und März ist eine Blockhütte in Schweden für vier bis sechs Wochen das Zuhause der Fahrer und Techniker. In Arjeplog, knapp 3 000 Einwohner, Nordschweden, Provinz Norbottens, besser bekannt als Lappland.

Härtetests bei minus 35 Grad Celsius: Trucks und Busse, die sich hier in Lappland bewähren, sind bereit für die Straße. Die MAN-Crew testet hauptsächlich in Arjeplog, aber auch im 60 Kilometer südlich gelegenen Slagnäs auf dem VW-Testgelände.

MAN Bus im Wintertest

In Slagnäs findet ein ständiger Technologieaustausch unter den Vertretern aller Konzernmarken im VW Konzern statt. Der Bus-Fahrversuch testet Funktionen in Arjeplog und nutzt für den Dauerlauf die Teststrecke in Slagnäs. Vor allem der Stop-and-go-Betrieb in extremer Kälte ist ein wichtiger Test für den späteren Einsatz im Straßenverkehr.

MAN Mitarbeiter Michael Ostermayer

Versuchsfahrer Michael Ostermayer war einer der Ersten, die 1987 einen MAN-Truck von München an den Polarkreis fuhren: „In den ersten Jahren hatten wir noch keine eigene Werkstatt und arbeiteten draußen bei minus 35 Grad.“

MAN Versuchsingenieur Andreas Witzgall

Der Bus-Test unter Extrembedingungen zeigt zum Beispiel, wo der Notbremsassistent an seine Grenzen stößt. „Das Programm fahren wir gemeinsam mit den Lkw-Kollegen und gleichen die Ergebnisse ab“, erklärt MAN-Versuchsingenieur Andreas Witzgall.

Teststrecke in Arjeplog

Die Teststrecke in Arjeplog eignet sich perfekt für die Erprobung des Assistenzsystems ESP: Routiniert lenken die Fahrer die 40-Tonner über die Bahn und erproben so, wie stabil sich die Lkw beim Fahren im Kreis verhalten.

MAN Mitarbeiter füllt neuen Winterdiesel in den Bus

Winterdiesel sorgt dafür, dass die Motoren auch bei minus 35 Grad optimal laufen. Mit einer neuen Füllung ist der Bus bereit für die nächste Fahrt unter extremen Bedingungen.

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