Im Interview 

Emissionsfrei durch Hamburg

Die Stadt Hamburg wird ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse anschaffen. Den ambitionierten Plan wollen die Hamburger Hochbahn, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) und MAN zusammen umsetzen. Felix Kybart, Leiter Alternative Antriebe bei MAN Truck & Bus, im Gespräch über gemeinsame Wege für eine saubere Stadt.

Landungsbrücken in Hamburg
Landungsbrücken in Hamburg (Bild © getty images)

Der Hamburger Senat hat beschlossen, dass der öffentliche Personennahverkehr ab 2020 noch umweltfreundlicher werden soll. Durch die Anschaffung von emissionsfreien Fahrzeugen wird sich die Klimabilanz der Hansestadt deutlich verbessern. Schon heute werden alternative Antriebe auf der Innovationslinie 109 getestet und liefern wertvolle Daten für die Entwicklung von vollelektrischen Linienbussen, die zukünftig das Stadtbild prägen werden.


Felix Kybart, Leiter Alternative Antriebe bei MAN Truck & Bus (Bild © Felix Kybart)

Herr Kybart, in Hamburg soll der öffentliche Nahverkehr noch umweltfreundlicher werden. Ab 2020 will die Stadt ausschließlich emissionsfreie Linienbusse einkaufen. Was erhofft sich die Hansestadt von diesem Schritt?

Die Stadt Hamburg stellt sich den hohen Anforderungen, um die Feinstaub- und die CO2-Emissionen zu reduzieren, und übernimmt dabei eine Vorreiterrolle in Deutschland. Unterschiedliche Buskonzepte werden in Hamburg schon seit vielen Jahren getestet. Nicht zuletzt wegen des Klimaabkommens von Paris und den neuen EU-Richtlinien zur Luftqualität geht die Hansestadt aktiv an diese große Herausforderung heran und fokussiert sich auf emissionsfreie Antriebe.

Die Hamburger Hochbahn, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein und MAN Truck & Bus wollen dieses Ziel gemeinsam erreichen. Wie ist die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Wir erhielten die grundsätzliche Anfrage, ob wir vollelektrische Fahrzeuge zur Verfügung stellen können, und bei einem gemeinsamen Treffen ist daraus die Partnerschaft entstanden. Bei dieser Kooperation geht es nicht nur darum, Fahrzeuge zu liefern, sondern auch aktiv in einen Dialog zu treten, um maßgeschneiderte Lösungen für die Stadt Hamburg angehen zu können. Bei der Elektromobilität stellen sich ganz neue Fragen, im Vergleich zu klassischen Fahrzeugen. Darum sind wir einen Schritt weitergegangen und haben im September letzten Jahres ein Memorandum of Understanding abgeschlossen, wo wir gemeinsam ganz klar definiert haben, wie wir zusammenarbeiten wollen. Unsere Partner bekommen zum Beispiel Einblicke in unseren Entwicklungsfortschritt, wir bekommen dabei umgehend Rückmeldungen und haben so die Gelegenheit, im laufenden Prozess direkt darauf einzugehen.

Wie sehen die konkreten Maßnahmen für MAN aus, um diesen ambitionierten Plan umzusetzen?

Der Plan ist, vor 2020 mit unseren Elektrobussen in Serie zu gehen. Das Besondere bei uns ist, dass wir nicht einfach bestehende Busse elektrifizieren, sondern die Elektromobilität in unserer neuen Stadtbusgeneration vorstellen.
MAN Truck & Bus bereitet ergänzend seine Kunden auf die Fahrzeuge und deren Betrieb vor. Dabei geht es auch um die Dinge, die um die Elektrobusse herum organisiert werden müssen – wie Ladetechnik, die Einrichtung der Werkstätten et cetera –, um einen reibungslosen und zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten.

Welche Vorteile hat die Partnerschaft bei der Entwicklung von Elektromobilitätslösungen für MAN?

Die Entwicklung, Produktion und Vermarktung elektrisch angetriebener Fahrzeuge erfordert Veränderungen in allen Bereichen unseres Unternehmens. Die enge Partnerschaft mit der Hamburger Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein fordert uns und ermöglicht es uns, konkrete Fragestellungen zügiger als bisher in technische Lösungen umzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere neuen Elektrobusse so von Anfang an die Zuverlässigkeit, die Effizienz und die Sicherheit bieten werden, die man von einem echten MAN erwartet.

Schon seit 2014 setzt die Stadt auf E-Mobilität. Die Innovationslinie 109 testet auf ihrer Strecke täglich alle relevanten Systeme, ob Brennstoffzellenfahrzeug oder Diesel-Hybrid, unter gleichen Rahmenbedingungen. Wie wertvoll sind diese Erfahrungen für die Entwicklung?

Wir erfahren aus diesem Betrieb, was der Stadt Hamburg wichtig ist, was sie auch kritisch sieht bei der Erprobung im täglichen Betrieb, und das hilft uns, an den richtigen Stellen anzupacken und die besten Lösungen zu liefern. Ein Thema ist zum Beispiel die gewünschte Reichweite auf gewissen Strecken, da hat uns der Austausch auch genützt, um festzulegen, welche Reichweiten wir mit unseren Zwölf- und Acht-Meter-Elektrobussen anbieten werden.

MAN setzt bei der Entwicklung auf ein modulares Konzept. Wie sieht das genau aus?

Wir werden sowohl unsere Busse als auch unsere Lkw elektrifizieren. Da ist es wichtig, dass wir nicht für jede einzelne Fahrzeugvariante eine einzelne Lösung haben. Vielmehr werden wir elektrifizierte Komponenten in möglichst vielen Anwendungen optimiert zum Einsatz bringen. Auch wollen wir es ermöglichen, technische Fortschritte in der Batterie- und Antriebstechnik jeweils zügig umzusetzen.

Wird der Busverkehr zukünftig die Vorteile der elektrischen Straßenbahn erreichen?

Felix Kybart: Der springende Punkt ist, dass unsere Städte viel schneller wachsen, als die U-Bahn- oder S-Bahn-Netze erweitert werden können. Auf dem vorhandenen Straßennetz lässt sich zügiger die Anzahl der beförderten Fahrgäste erhöhen. Außerdem ist der Busverkehr gegenüber der Straßenbahn flexibler. Wenn es Schwierigkeiten auf einer Strecke gibt, kann ein Bus eine Sperrung leichter umfahren, seine Route anpassen, und es kommt nicht zum Stillstand.
Durch den Einsatz von MAN Elektrobussen wird sich auch das Fahrerlebnis zukünftig verändern, denn sie sind extrem leise, rucken nicht beim Anfahren und bieten den Fahrgästen ein modernes Design. Deren Weg von A nach B wird damit sehr angenehm.

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