MAN SE 

MAN SE - Zwischenbericht Q2: Zunehmend schwieriges Marktumfeld belastet die Profitabilität

  • Zuspitzung der Staatsschuldenkrise im Euroraum und rückläufiges Wirtschaftswachstum in Brasilien beeinträchtigen das Investitionsverhalten der Kunden
  • Auftragseingang und Umsatz der MAN Gruppe leicht rückläufig
  • Commercial Vehicles: Auftragseingang und Umsatz im 2. Quartal durch Euro-V-Einführung in Brasilien zusätzlich negativ beeinflusst; starke Nachfrage in anderen Regionen kompensiert Marktrückgang in Europa
  • Operatives Ergebnis der MAN Gruppe um 38 % unter Vorjahr, insbesondere durch Commercial Vehicles; stabiler Beitrag von Power Engineering
  • Free Cashflow geprägt durch verschlechterten operativen Cashflow sowie Akquisition in Indien und Desinvestition Ferrostaal
  • Ausblick Gesamtjahr 2012: Umsatz leicht rückläufig; Umsatzrendite etwa 6 %

Die Unternehmenszahlen der MAN Gruppe lagen im 1. Halbjahr 2012 niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dazu haben in erster Linie eine weiterhin sehr verhaltene Weltkonjunktur und die Verunsicherung vieler Kunden vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise beigetragen. Investitionen in neue Nutzfahrzeuge und Maschinen werden vielerorts verschoben, die Finanzierungsbedingungen für Großprojekte, etwa im Bereich Power Engineering, sind erschwert.

Besonders in den für das Nutzfahrzeuggeschäft wichtigen Märkten in Mittel- und Südeuropa ist die Nachfrage nach Lkw und Bussen spürbar gesunken. So ging zum Beispiel in den von der Euro-Krise stark betroffenen Staaten Spanien und Italien der gesamte Nutzfahrzeugmarkt um 25 bzw. 40 % zurück. Auch im für MAN Truck & Bus sehr wichtigen deutschen Markt ist eine Kaufzurückhaltung deutlich spürbar.

Erschwerend kam die Einführung neuer Emissionsstandards im sehr wichtigen brasilianischen Markt hinzu, die sich - gemeinsam mit einem auch hier rückläufigen Wirtschaftswachstum - ebenfalls stark in der gesunkenen Nachfrage nach Lkw und Bussen bemerkbar machte. Diesen ökonomischen Rahmenbedingungen konnte sich auch MAN nicht entziehen.

Trotzdem ist es uns gelungen, den Auftragseingang im Bereich Commercial Vehicles im 1. Halbjahr annähernd konstant zu halten. Zwar gingen bei MAN Latin America die Bestellungen im 1. Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 % auf 1,4 Mrd € zurück. MAN Truck & Bus erreichte jedoch im selben Zeitraum eine Steigerung um 5 % auf 5,0 Mrd €. Den Marktrückgang in Europa konnten wir dabei durch hohe Zuwächse in Russland und anderen Regionen außerhalb Europas ausgleichen - allerdings verbunden mit teils niedrigeren Margen. Dennoch zeigt sich hier erneut, dass es richtig war, MAN konsequent auf die internationalen Märkte hin auszurichten.

Im Bereich Power Engineering sank der Auftragseingang um 14 % auf 2,0 Mrd €. Die Bestellungen bei MAN Diesel & Turbo gingen um 16 % zurück, während Renk in der ersten Jahreshälfte einen Anstieg beim Auftragseingang von 7 % meldete. Damit ergibt sich für die MAN Gruppe im 1. Halbjahr 2012 ein Auftragseingang von 8,3 Mrd €, was einer Verringerung um 6 % entspricht.

Der Umsatz der MAN Gruppe war in den ersten sechs Monaten 2012 nahezu stabil. Er lag mit 7,7 Mrd € rund 3 % unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Grund dafür ist der Umsatzrückgang von 5 % auf 5,8 Mrd € im Geschäftsfeld Commercial Vehicles; der Umsatz bei Power Engineering entwickelte sich mit einem Anstieg um 3 % hingegen positiv und erreichte 2,0 Mrd €.

Das Operative Ergebnis des 1. Halbjahrs 2012 fiel mit 471 Mio € gegenüber 762 Mio € im Vorjahreszeitraum unbefriedigend aus. Grund für den Rückgang ist maßgeblich das Geschäftsfeld Commercial Vehicles. Hier sank das Operative Ergebnis im 1. Halbjahr 2012 auf 211 Mio €.

Als stabile Säule erwies sich erneut das Geschäftsfeld Power Engineering, das ein Operatives Ergebnis von 239 Mio € und eine Umsatzrendite von 12 % erzielte. Zum mittlerweile sechsten Quartal in Folge erwirtschaftete das Geschäftsfeld Power Engineering eine zweistellige Umsatzrendite und trägt damit maßgeblich zum Erfolg des Gesamtunternehmens bei.

Ungeachtet der schwierigen Marktsituation haben wir unsere Strategie, kontinuierlich in das internationale Wachstum der MAN Gruppe zu investieren, weiterverfolgt. Dabei wurden neue Märkte erschlossen und bestehende ausgebaut. Eben diese Wachstumsstrategie gestattet uns nun, die konjunkturellen Absatzrückgänge in Europa durch Mehrverkäufe in anderen Regionen auszugleichen. Wir haben in den vergangenen Monaten gezielt Investitionen in die Wachstumschancen für morgen getätigt, dies zeigt sich nun auch in der Bilanz.

Wir sind mit der Höhe des Operativen Ergebnisses nicht zufrieden und haben bereits geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen. Selbstverständlich haben wir die Produktion der geringeren Nachfrage angepasst. Dank unserer flexiblen Fertigungsstrukturen konnten wir beispielsweise in Brasilien sehr schnell auf die veränderte Marktlage reagieren. Größere Investments werden konzernweit zeitlich gestreckt, unsere besondere Aufmerksamkeit gilt dem Kostenmanagement. Bei MAN Truck & Bus haben wir uns zu einem weitgehenden Einstellungsstopp entschlossen. Wir sind überzeugt, dass wir nun die richtige Mannschaft an Bord haben, um zukünftig weiter erfolgreich zu sein.

Damit uns das gelingt, setzen wir weiterhin auf Innovation. Auf der IAA werden wir unsere neuesten Produkt-Highlights bei Lkw und Bussen präsentieren. Hier wird die neue TG-Baureihe mit innovativer Euro-VI-Technologie vorgestellt, die Maßstäbe bei Zuverlässigkeit, Effizienz und Leistung setzt. Bei den Bussen feiert der neue NEOPLAN Jetliner Weltpremiere. Mit dem MAN Metropolis zeigen wir zudem unsere Vision eines vollelektrischen, emissionsfreien Hybrid-Lkw für den kommunalen Einsatz. Dass uns das Thema Emissionen sehr wichtig ist, wird auch bei unserer Klimastrategie deutlich. Bis 2020 werden wir den CO2-Ausstoß an den MAN-Produktionsstandorten um 25 % senken.

Zurück zur näheren Zukunft und den ökonomischen Eckpunkten: Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir im Geschäftsfeld Commercial Vehicles unverändert von einem leicht um bis zu 5 % sinkenden Umsatz aus. Dabei erwarten wir einen Rückgang des europäischen Nutzfahrzeugmarktes um 5 bis 10 %. Dies soll unter anderem durch Mehrverkäufe in Russland und anderen außereuropäischen Regionen weiterhin kompensiert werden. Im Geschäftsfeld Power Engineering gelten weiterhin die mittel- und langfristigen Wachstumstrends in den Märkten Energie und Industrie. Wir gehen darum unverändert von einem Umsatzwachstum von 5 % im Vergleich zum Vorjahr und einer erneuten Umsatzrendite im gut zweistelligen Bereich aus. Für die MAN Gruppe insgesamt rechnen wir weiterhin mit einem leicht rückläufigen Umsatz. Die Umsatzrendite wird dabei auf etwa 6 % zurückgehen.