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Geschäftsjahr 2011: MAN erzielt Rekordumsatz

  • Umsatz 16,5 Mrd € (Vorjahr: 14,7 Mrd €)
  • Auftragseingang 17,1 Mrd € (15,1 Mrd €)
  • Operatives Ergebnis 1,483 Mrd (1,035 Mrd €)
  • Umsatzrendite ROS 9,0 % (7,1 %)
  • Ergebnis je Aktie der fortgeführten Bereiche 4,62 €
  • Dividendenvorschlag: Anhebung auf 2,30 € (2,00 €) je Aktie
  • Insgesamt 155 520 Fahrzeuge abgesetzt (+23 %)
  • MAN Latin America mit bestem Jahr der Unternehmensgeschichte
  • Ausblick für 2012: leichter Umsatzrückgang bei Commercial Vehicles, Anstieg bei Power Engineering

Die MAN SE hat das Geschäftsjahr 2011 mit sehr guten Unternehmenszahlen abgeschlossen. Wie der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern mitteilte, stieg der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um zwölf Prozent auf den neuen Rekordwert von 16,5 Mrd €. „2011 war für die MAN Gruppe ein sehr erfolgreiches Jahr. Trotz der weiterhin bestehenden Verunsicherung, vor allem an den Finanzmärkten, haben wir die guten Geschäftszahlen des Vorjahres noch einmal deutlich übertroffen“, sagte Dr. Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher der MAN SE.

Das Operative Ergebnis konnte gegenüber dem Vorjahr um 43 Prozent auf 1,5 Mrd € gesteigert werden, die Umsatzrendite erhöhte sich von 7,1 Prozent auf neun Prozent. Damit ist die MAN Gruppe im Jahr 2011 erneut profitabel gewachsen.

Für das Jahr 2012 stellt sich das Management des Unternehmens auf ein weltweit gedämpftes Wirtschaftswachstum ein. Frank H. Lutz, Finanzvorstand der MAN SE, sagte: „In Europa rechnen wir mit einem stabilen Nutzfahrzeuggeschäft, in etwa auf dem Niveau von 2011. In Brasilien wird der Absatz hingegen rückläufig sein. Insgesamt wird der Umsatz im Geschäftsfeld Commercial Vehicles leicht um voraussichtlich bis zu fünf Prozent sinken. Für Power Engineering erwarten wir gegenläufig einen Umsatzanstieg von etwa fünf Prozent. Für die Gruppe rechnen wir daher mit einem leicht rückläufigen Gesamtumsatz, der auch ein leicht niedrigeres Operatives Ergebnis nach sich ziehen wird. Die Umsatzrendite wird voraussichtlich dem Mittelwert der langfristigen Zielrendite von 8,5 Prozent entsprechen.“ Diese Einschätzung gelte unter der Annahme, dass es der Politik gelinge, für eine Beruhigung der Finanzmärkte zu sorgen und damit ein gravierendes Übergreifen der Unsicherheiten auf die Realwirtschaft zu verhindern, sagte Lutz weiter. Mittel- und langfristig seien die Wachstumsmöglichkeiten von MAN – gerade auch in Hinblick auf die Kooperationsmöglichkeiten mit der VW Gruppe – sehr groß.

Commercial Vehicles

Der Rekordumsatz der MAN Gruppe wurde vor allem vom Geschäftsfeld Commercial Vehicles (MAN Truck & Bus und MAN Latin America) getragen. Das Nutzfahrzeuggeschäft verbuchte eine Umsatzsteigerung um 19 Prozent auf 12,6 Mrd €; insgesamt setzte MAN 155 520 Lkw und Busse ab. Die Umsatzrendite betrug dabei 7,7 Prozent.

MAN Truck & Bus konnte im Berichtsjahr sein Operatives Ergebnis mehr als verdreifachen. Es betrug 565 Mio €. Das Unternehmen baute seine starke Marktposition bei Lkw über sechs Tonnen in Europa weiter aus und belegt mit einem Marktanteil von 18 Prozent den zweiten Platz im Wettbewerbsumfeld. MAN hat seinen Marktanteil in Europa damit zum sechsten Mal in Folge erhöht. MAN ist Marktführer in wichtigen Märkten wie Österreich, Polen, Rumänien oder Kroatien. Unter anderem in Deutschland, Dänemark, Tschechien, Ungarn und der Schweiz liegt MAN auf Platz zwei.

Auch bei Bussen über acht Tonnen konnte MAN Truck & Bus zulegen. Rund 14 Prozent aller 2011 in Europa neu zugelassenen Busse sind Fabrikate der Marken MAN und NEOPLAN. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lieferte MAN Truck & Bus insgesamt 83 418 Lkw und Busse an Kunden aus – eine Zunahme um 38 Prozent.

MAN Latin America war erneut Marktführer in Brasilien bei Lkw über fünf Tonnen und verzeichnete das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Insgesamt 72 102 Fahrzeuge wurden verkauft, ein Plus von zehn Prozent. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 3,6 Mrd €, das Operative Ergebnis betrug 400 Mio €. Auch die Produktionszahl erreichte mit über 83 000 Einheiten einen neuen Rekord.

In Brasilien tritt in diesem Jahr der Emissionsstandard Euro V für neu zugelassene Nutzfahrzeuge in Kraft. MAN Latin America wird daher erstmals Motoren der europäischen Schwestergesellschaft MAN Truck & Bus in seinen Fahrzeugen verbauen. Darüber hinaus wird die Marke MAN ab 2012 auch im brasilianischen Markt präsent sein. Mit der Einführung der MAN TGX-Baureihe für das Segment der Lkw über 400 PS, in dem MAN Latin America bislang nicht vertreten war, bieten sich neue Geschäftschancen.

Power Engineering

Das Geschäftsfeld Power Engineering (MAN Diesel & Turbo und Renk) blieb ebenfalls auf sehr hohem Niveau. Mit einem Rückgang von vier Prozent entwickelte sich der Umsatz leicht rückläufig und betrug 4,0 Mrd €, der Auftragseingang ist von 4,0 auf 4,1 Mrd € dagegen leicht gewachsen. Die Umsatzrendite ist mit 12,8 Prozent nach wie vor deutlich zweistellig.

Den Großteil des Power Engineering-Umsatzes steuerte MAN Diesel & Turbo mit 3,6 Mrd € bei (-4 %). Der Auftragseingang stieg von 3,5 Mrd € auf 3,7 Mrd €, das Operative Ergebnis von 439 Mio € auf 460 Mio €. Die Umsatzrendite legte um einen Prozentpunkt auf 12,7 Prozent zu.

Vor allem die Nachfrage nach Kompressoren und Turbinen von MAN Diesel & Turbo war sehr stark. Im maritimen Segment setzten sich die Bestellungen von Frachtschiffen, insbesondere von großen Containerschiffen, zunächst auf hohem Niveau fort. Im zweiten Halbjahr konzentrierte sich die Branche dann vermehrt auf den Bau von Spezialschiffen wie Flüssiggastanker oder Offshore-Schiffe. MAN Diesel & Turbo hält sowohl bei Zwei-taktmotoren für große Frachtschiffe wie bei den Viertaktern, die u.a. bei Spezialschiffen Verwendung finden, sehr starke Marktstellungen. Damit gelang es MAN Diesel & Turbo trotz der nach wie vor schwierigen Marktsituation und des verschärften Wettbewerbs abermals, die Marktführerschaft bei Schiffsmotoren zu behaupten.

Das Marktvolumen für Dieselmotoren- und Gasturbinenkraftwerke blieb 2011 konstant. Hier steigt das Kundeninteresse nicht nur in den Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern – im Zeichen der Energiewende – vermehrt auch in den entwickelten Volkswirtschaften. MAN-Diesel- und Gasturbinenkraftwerke eignen sich besonders gut im Verbund mit Windkraft- und Solaranlagen. Gekoppelt zu so genannten Hybridkraftwerken gleichen sie das schwankende Stromangebot der erneuerbaren Energien aus und stellen bei sehr niedrigen Emissionswerten eine konstante Stromversorgung sicher.

Der Getriebe- und Gleitlager-Hersteller Renk verzeichnete im Berichtsjahr leicht rückläufige Umsatzerlöse in Höhe von 389 Mio € (403 Mio €). Insgesamt verlief die Geschäftsentwicklung positiv, der Auftragseingang lag mit 456 Mio € deutlich über dem Umsatz. Das Operative Ergebnis stieg von 52 auf 53 Mio €, die Umsatzrendite kletterte von 12,9 Prozent auf 13,6 Prozent. Im Jahr 2011 ist vor allem das Geschäft mit Getrieben für Marine-Anwendungen und für den Einsatz in Windkraftanlagen gewachsen.

Sondereffekte schmälern Nachsteuerergebnis

Das Ergebnis der MAN Gruppe nach Steuern erreichte 247 Mio € und lag damit 475 Mio € unter dem Vorjahresergebnis. Dies ist vor allem auf Aufwendungen zurückzuführen, die mit der Einigung zwischen MAN, IPIC und MPC zur Veräußerung von Ferrostaal verbunden sind (-434 Mio €). Zudem führten Änderungen der Bewertung der Beteiligung an Scania zu einer Belastung von 182 Mio €.

Strategische Ausrichtung der MAN Gruppe

MAN hat seine internationale Präsenz in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut und sich erfolgreich in bedeutenden Wachstumsmärkten positioniert. Die BRIC-Strategie hat nicht nur die Nutzung von Marktchancen zum Ziel. Durch unterschiedliche Konjunkturzyklen der Märkte führt sie auch zu einer Risikominimierung. Diese Strategie wird 2012 fortgesetzt:

In Brasilien startet im zweiten Quartal 2012 der Verkauf des MAN TGX, MAN-Euro V-Motoren werden bereits ab Anfang 2012 in Fahrzeuge von MAN Latin America implementiert.

In Russland eröffnet MAN im ersten Halbjahr 2012 ein neues Werk in St. Petersburg, das für die Montage von jährlich rund 6 000 Fahrzeugen ausgelegt ist.

In Indien hat MAN Truck & Bus eine Vereinbarung zur vollständigen Übernahme des Joint Ventures mit FORCE Motors geschlossen. Produktion und Vertrieb des MAN CLA werden nun in Eigenregie weiter forciert.

In China ist MAN mit 25 Prozent plus einer Aktie am chinesischen Nutzfahrzeughersteller Sinotruk beteiligt, der Verkaufsstart der neuen, gemeinsamen Marke SITRAK ist für 2013 geplant. Im Mai 2011 eröffnete MAN Diesel & Turbo die zweite Ausbaustufe seines Werks in Changzhou. Dort werden Turbomaschinen, Großdieselturbolader und Renk-Getriebe-komponenten gefertigt.

Ein weiterer strategischer Wachstumsmarkt ist das externe Motorengeschäft. MAN-Motoren werden beispielsweise in Agrarmaschinen, Schienenfahrzeugen oder Yachten eingesetzt. Im Jahr 2011 hat der Umsatz in diesem Geschäftsbereich mit 335 Mio € erstmals die Grenze von 300 Mio € deutlich überschritten.

Von großer strategischer Bedeutung sind Forschung & Entwicklung für die gesamte MAN Gruppe. Dafür investiert das Unternehmen über vier Prozent des Umsatzes. Sowohl im Geschäftsfeld Commercial Vehicles als auch bei Power Engineering stehen Emissionsreduktion, Verbrauchsreduzierung, alternative Antriebskonzepte und alternative Kraftstoffe im Fokus der Entwicklungsarbeit. Bei den Nutzfahrzeugen liegt großes Augenmerk auf der Hybrid-Technologie. Bereits seit 2010 läuft die Produktion der Lion’s City Hybrid-Busse. Erste Feldversuche, u.a. in München, Paris und Barcelona, zeigen Kraftstoffeinsparungen von bis zu 30 Prozent. Auch im Lkw-Bereich sind erste Prototypen von Nahverkehrsfahrzeugen im Kundeneinsatz.

Im Bereich der Großdieselmotoren treten im Jahr 2016 drastisch verschärfte Emissionsvorschriften der International Maritime Organisation (IMO) in Kraft, die eine Stickoxid-Reduzierung von 80 Prozent im Vergleich zu 2010 vorschreiben. Diese sehr anspruchsvollen Vorgaben erfordern größte F&E-Anstrengungen. Dennoch erfüllt MAN Diesel & Turbo im Bereich Zweitaktmotoren mit der zweiten Generation der Abgasrückführung als weltweit erster Anbieter diese Abgasnorm bereits jetzt.